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Der deutsche Mittelstand im Wandel: Reicht das klassische Zulieferermodell noch aus?

Vom Zulieferer zum eigenständigen Marktakteur


In Gesprächen mit Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen – vom Betreiber öffentlicher Mobilitätssysteme bis zum internationalen Maschinenbauer – stellt sich uns derzeit die Frage: In welchem Maße können Unternehmen ihre eigene Marktposition tatsächlich bestimmen?


Die Frage klingt zunächst abstrakt. Für viele mittelständische Zulieferer ist sie jedoch sehr konkret. Denn ein Unternehmen kann international erfolgreich sein, eine hohe Exportquote haben und dennoch nur einen begrenzten eigenen Zugang zu den Märkten besitzen, in denen seine Produkte eingesetzt werden.


Genau das beobachten wir in unserer Arbeit zwischen Deutschland und Spanien zunehmend: Wer seine Zielmärkte, deren Akteure und veränderte Anforderungen nicht selbst im Blick hat, bleibt stärker von den Entscheidungen seiner bestehenden Kunden abhängig.


Daraus ergibt sich eine grundlegende Frage:


Reicht es langfristig aus, ein technologisch starker Zulieferer und Exporteur zu sein – oder braucht es mehr eigene Marktkenntnis und Marktnähe?



Überdachte Zufahrt zwischen zwei Produktionshallen eines Industriestandorts.
Industrieller Mittelstand zwischen gewachsenen Strukturen und neuen Märkten.

Inhalt



Vom historischen Erfolg zur neuen Realität des Exports

Das klassische Zulieferermodell hat für viele deutsche Mittelständler über Jahrzehnte erfolgreich funktioniert.


Technologische Spezialisierung, hohe Fertigungsqualität, Verlässlichkeit und langfristige Kundenbeziehungen bildeten die Grundlage für dieses Erfolgsmodell. Gerade die enge Zusammenarbeit mit großen Industrieunternehmen ermöglichte es vielen KMU, international zu wachsen, ohne selbst in jedem Zielmarkt eigene Vertriebs- oder Marktstrukturen aufzubauen.


Das hatte einen entscheidenden Vorteil: Die Internationalisierung konnte teilweise über die Kunden erfolgen. Ein mittelständischer Zulieferer lieferte beispielsweise an das deutsche Werk eines international tätigen Konzerns. Das Produkt gelangte dadurch in internationale Märkte, ohne dass der Zulieferer selbst dort zwingend eine eigene Marktorganisation aufbauen musste.


Aus Sicht der Exportstatistik ist es das internationale Geschäft. Aus Sicht der Marktkenntnis ist die Situation eine andere.


Eine hohe Exportquote zeigt, dass ein Unternehmen Produkte erfolgreich über die Landesgrenzen hinweg verkauft. Sie beantwortet aber nicht die Frage, wie nah das Unternehmen tatsächlich am internationalen Markt ist.

 

  • Wer sind die relevanten Wettbewerber vor Ort?

  • Welche Anforderungen verändern sich bei den Kunden?

  • Welche Technologien werden dort bereits eingesetzt?

  • Wie verändern sich Beschaffungsentscheidungen?

  • Welche Unternehmen gewinnen an Bedeutung?

  • Und vor allem: Wie früh bekommt der Zulieferer diese Informationen mit?

 

Die Antworten auf diese Fragen zeigen, wie viel eigene Marktkenntnis tatsächlich vorhanden ist.


 

Die Neuausrichtung der globalen Beschaffungswege

Wenn Kunden ihre Beschaffung neu organisieren, Produktionsstandorte verlagern oder ihre Lieferketten regionalisieren, verändert sich auch die Position des Zulieferers. Dann kann aus einer langjährigen Kundenbeziehung eine strategische Abhängigkeit werden.

 

Zwei Entwicklungen verändern die Ausgangslage:

 

1. Globale Lieferketten verschwinden nicht, sondern werden selektiver regionalisiert

Gleichzeitig verändern sich die Rahmenbedingungen für internationale Lieferketten. Transportkosten, Zölle, geopolitische Risiken und der Wunsch nach resilienteren Lieferketten führen dazu, dass Unternehmen Beschaffung und Produktion in bestimmten Bereichen stärker regional organisieren.

 

Für Zulieferer bedeutet das: Der frühere Vorteil, von Deutschland aus mehrere Märkte zu bedienen, reicht nicht in jedem Fall aus.

 

Der Gedanke „Local for Local“ gewinnt dabei in bestimmten Märkten und Branchen an Bedeutung. Das erfordert nicht zwangsläufig, überall eigene Produktionsstandorte aufzubauen. Es geht vielmehr darum, die Logik des jeweiligen Marktes zu verstehen und zu entscheiden, welche Form der lokalen Präsenz tatsächlich sinnvoll ist.

 

2. Innovation entsteht nicht mehr nur innerhalb der bekannten Netzwerke

Technologische Entwicklungen in Bereichen wie Software, Automatisierung, Energie oder Batterietechnologie entstehen an unterschiedlichen Standorten und in neuen Netzwerken. Wer ausschließlich über bestehende Kunden und Lieferketten auf Entwicklungen aufmerksam wird, erfährt sie häufig zu spät.

 

Eigene Kontakte zu Märkten und Unternehmen können deshalb mehr sein als eine Vertriebsmaßnahme. Sie werden zu einer Quelle für Markt- und Technologiewissen.


 

Praxisblick: Spanien zeigt, wie sich Marktpositionen verändern

Der spanische Industriemarkt hat sich in vielen Bereichen weiterentwickelt und professionalisiert. Investitionen, Modernisierung und neue industrielle Strukturen haben dazu beigetragen, dass lokale Unternehmen heute in Bereichen auftreten, die früher stärker von ausländischen Anbietern geprägt waren.


Ein differenzierter Blick auf die Marktstruktur zeigt zudem, dass neben den bekannten Bereichen weitere wirtschaftlich relevante Branchen eine wichtige Rolle spielen. Dazu gehören unter anderem Automobilbau, Logistik, Energie, Infrastruktur sowie Forschung und High-Tech.


Für den deutschen Mittelstand verändert sich dadurch die Ausgangslage.


Wer den spanischen Markt ausschließlich aus Deutschland betrachtet, sieht möglicherweise einen Absatzmarkt. Wer vor Ort mit Unternehmen, Entscheidern und Partnern spricht, erhält ein anderes Bild: von lokalen Wettbewerbern, veränderten Anforderungen, neuen Kooperationen und Entwicklungen, die aus der Distanz leicht übersehen werden.


Dabei geht es nicht darum, den deutschen Standort gegenüber einer Präsenz in Spanien zu priorisieren. Es geht vielmehr darum, dass Marktkenntnis dort entsteht, wo Märkte tatsächlich stattfinden.


Das gilt für Spanien ebenso wie für andere internationale Märkte.



Was bedeutet das für Business Development?

Damit verändert sich auch die Aufgabe der Geschäftsentwicklung im Mittelstand. Sie besteht nicht mehr nur darin, bestehende Kundenbeziehungen auszubauen oder neue Aufträge zu gewinnen. Strategische Marktentwicklung beginnt früher.


Dabei lohnt sich eine Unterscheidung zwischen Marktkenntnis, Marktnähe und Markteinfluss. Sie sind nicht dasselbe.


Ein Unternehmen kann viel über einen Markt wissen, ohne selbst dort präsent zu sein. Umgekehrt führt eine Niederlassung nicht automatisch zu echter Marktkenntnis. Entscheidend ist, wie unmittelbar ein Unternehmen Entwicklungen im Markt wahrnimmt und eigene Beziehungen zu Kunden, Partnern und anderen Marktakteuren aufbaut.


Welche Konsequenzen daraus entstehen, hängt vom jeweiligen Geschäftsmodell ab. Für den einen Zulieferer ist ein lokaler Vertriebspartner sinnvoll, für den anderen eine eigene Vertriebsstruktur. Ein drittes Unternehmen braucht zunächst keine neue Organisation, sondern bessere Marktinformationen und einen regelmäßigen direkten Austausch mit potenziellen Kunden.


Es geht deshalb nicht darum, aus jedem Zulieferer ein global aufgestelltes Unternehmen mit eigenen Niederlassungen zu machen. Es geht darum, bestimmen zu können, welche Form von Marktnähe für die eigene strategische Ausrichtung sinnvoll ist.



Die eigene Marktposition aus Sicht des Kunden

Marktnähe allein reicht jedoch nicht. Für einen deutschen Zulieferer stellt sich ebenso die Frage, welchen konkreten Wert er für internationale Kunden künftig bietet. Wenn lokale Anbieter technologisch aufholen und Unternehmen ihre Wertschöpfung stärker regional organisieren, genügt es nicht mehr, allein als verlässlicher Zulieferer wahrgenommen zu werden.


Entscheidend wird damit nicht nur, wie ein Unternehmen näher an seine Märkte kommt, sondern auch, warum Kunden weiterhin mit ihm arbeiten sollten.


 

Schlussgedanke: der deutsche Mittelstand im Wandel

Ein Unternehmen kann technologisch führend und wirtschaftlich erfolgreich sein und trotzdem zu wenig darüber wissen, wie sich seine internationalen Märkte verändern. Eine hohe Exportquote sagt wenig darüber aus, wie eigenständig die eigene Marktposition tatsächlich ist.


Export ist Reichweite. Eigene Marktkenntnis ist Einfluss.


Das klassische Zulieferermodell ist damit nicht überholt. Seine Stärken – Spezialisierung, Qualität, technologische Kompetenz und langfristige Kundenbeziehungen – bleiben relevant. Was sich verändert, ist die Umgebung, in der dieses Modell funktionieren muss.



Von der Strategie bis zur operativen Umsetzung


Buchstaben A und W als Logo für AWANTGARDE Business Development zwishcen Deutschland und Spanien

AWANTGARDE begleitet KMU, Scaleups und Startups bei der operativen Umsetzung von B2B Business Development und internationaler Expansion zwischen Deutschland und Spanien. Wir übersetzen strategische Ziele in konkrete Markteintritte, belastbare Kunden- und Partnerbeziehungen sowie funktionierende Go-to-Market-Strukturen.

 

Sie stehen vor ähnlichen Fragestellungen?

Dann lassen Sie uns konkret darauf schauen, wie sich Business Development im Markt umsetzen lässt – strukturiert, praxisnah und wirksam.




Gender-Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei Personenbezeichnungen und personenbezogenen Hauptwörtern in diesem Beitrag die männliche Form verwendet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter. Die verkürzte Sprachform hat nur redaktionelle Gründe und beinhaltet keine Wertung.


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