Internationale Expansion ohne Fundament: Was Unternehmen von Staaten lernen können – und was besser nicht
- Anja Witter

- 25. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Die internationale Expansion gilt oft als Zeichen von Stärke. Neue Märkte, neue Chancen, neues Wachstum. Doch in der Praxis zeigt sich oft: Wer expandiert, ohne im Kern stabil zu sein, verlagert bestehende Probleme lediglich in einen neuen geografischen Kontext.
Ein Blick auf staatliches Handeln – etwa in Deutschland – macht diese Dynamik besonders sichtbar. Und genau darin liegt eine überraschend relevante Parallele für Unternehmen.

Inhalt
1. Ein Staat wie ein Unternehmen?
Eine provokante, aber legitime Frage:
Würden Sie als Unternehmer international expandieren, wenn Ihr Heimatmarkt stagniert, interne Strukturen nicht greifen, Mitarbeitende verunsichert sind und Investitionen aufgeschoben werden?
Die meisten würden zögern.
Und doch geschieht genau das – nicht nur in Unternehmen, sondern auch auf staatlicher Ebene.
Staaten handeln regelmäßig expansiv nach außen, während zentrale Herausforderungen im Inneren ungelöst bleiben. Unternehmen begehen denselben Fehler, wenn Expansion als Ausweg verstanden wird, statt als konsequenter nächster Schritt auf einer stabilen Basis.
2. Wachstum im Heimatmarkt: Fundament oder Belastung?
Der Vergleich ist unbequem, aber aufschlussreich.
Auf staatlicher Ebene sehen wir:
Wirtschaftliche Stagnation
Investitionsrückstände in Infrastruktur und Bildung
Wachsende Unsicherheit bei Bevölkerung und Unternehmen
Gleichzeitig werden umfangreiche Mittel für internationale Projekte, Förderprogramme oder geopolitische Initiativen bereitgestellt.
Im unternehmerischen Kontext zeigt sich ein ähnliches Muster:
Das Kerngeschäft ist unter Druck
Prozesse sind ineffizient oder nicht skalierbar
Führung und Organisation reagieren eher als zu gestalten
Und dennoch wird international expandiert – in der Hoffnung, dass neue Märkte kompensieren, was intern nicht funktioniert.
Die Realität: Instabilität lässt sich nicht exportieren, ohne sie zu vervielfältigen.
3. Mitarbeitende (Bevölkerung) nicht mitgenommen
Ein weiterer zentraler Parallelpunkt ist die Kommunikation.
Auf staatlicher Ebene werden weitreichende Entscheidungen getroffen, ohne dass die Bevölkerung ausreichend eingebunden oder abgeholt wird. Die Folge sind:
Vertrauensverlust
Polarisierung
wachsende Distanz zwischen Entscheidern und Betroffenen
Unternehmen erleben Ähnliches:
Expansionsentscheidungen werden im Top-Management getroffen
Operative Teams erfahren spät oder gar nicht, warum neue Märkte priorisiert werden
Lokale Expertise wird nicht systematisch einbezogen
Das Ergebnis ist selten Begeisterung, sondern häufig Widerstand, Überforderung oder stille Demotivation.
Expansion international ohne interne Verankerung ist kein Wachstum – sie ist ein Risiko.
4. Alte Strukturen blockieren neue Wege
Ob staatliche Verwaltung oder Unternehmensorganisation: Strukturen, die in stabilen Zeiten funktioniert haben, werden in Phasen des Wandels schnell zum Hemmschuh.
Typische Muster:
komplexe Entscheidungswege
Silodenken
Absicherung statt Gestaltung
Angst vor Veränderung
Internationale Expansion erfordert jedoch genau das Gegenteil:
Klarheit
Zeit und Geschwindigkeit
Lernfähigkeit
Verantwortungsübernahme
Unternehmen, die alte Strukturen verteidigen, statt sie zu hinterfragen, verlieren nicht nur Tempo – sie verlieren den Anschluss.
5. Lokale Partner: Feigenblatt oder echte Brücke?
Ein besonders sensibler Punkt – sowohl politisch als auch unternehmerisch.
In der internationalen Entwicklungszusammenarbeit scheitern Projekte oft daran, dass lokale Akteure zwar eingebunden wirken, aber keine echte Verantwortung tragen.
Im Business Development zeigt sich dasselbe:
Lokale Partner werden zu spät einbezogen
Entscheidungen bleiben zentralisiert
Marktverständnis wird importiert statt aufgebaut
Erfolgreiche Expansion entsteht dort, wo lokale Zusammenarbeit nicht als operativer Zusatz, sondern als strategische Grundlage verstanden wird.
Nicht Kontrolle, sondern die Übersetzung zwischen Kontexten macht den Unterschied.
6. Fazit: Internationale Expansion braucht Substanz – innen wie außen
Der Vergleich zwischen Staat und Unternehmen ist kein Selbstzweck. Er macht jedoch eines deutlich:
Wachstum ist kein Ziel. Es ist das Ergebnis von Stabilität, Klarheit und Beteiligung.
Internationale Expansion funktioniert dann:
Wenn das Kerngeschäft tragfähig ist
Wenn Mitarbeitende eingebunden und gehört werden
Wenn Strukturen überprüft und weiterentwickelt werden
Wenn lokale Zusammenarbeit ernst gemeint ist
Oder zugespitzt formuliert:
Was nützt der schönste Expansionsplan, wenn intern die Grundlagen fehlen?
Diese Frage stellt sich nicht nur in der Politik – sondern täglich im Business Development.
Schlussworte zur Expansion international ohne Fundament
Business Development neu zu denken bedeutet nicht, schneller zu wachsen – sondern besser vorbereitet zu sein. Wachstum entsteht dort, wo Klarheit über die eigene Ausgangslage besteht, wo Entscheidungen reflektiert getroffen und transparent kommuniziert werden und wo Organisationen bereit sind, bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen.
Wer sich selbst, seine Prozesse und seine Kultur nicht versteht, wird diese Unklarheit in jeden neuen Markt mitnehmen – unabhängig von Land, Branche oder Wachstumsambition. Erfolgreiche Expansion braucht daher mehr als Strategie: Sie braucht Reflexionsfähigkeit, Verbindlichkeit in der Kommunikation und die konsequente Umsetzung im Alltag.
Gerade im internationalen Kontext zeigt sich, dass nachhaltiges Business Development dort gelingt, wo Menschen, Daten und Märkte bewusst zusammengeführt werden – über Länder, Kulturen und Organisationen hinweg. Nicht als kurzfristiger Wachstumsimpuls, sondern als tragfähige Grundlage für langfristige Entwicklung.
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